Die präzise skulpturalen Aufstellungen von Ida Lennartsson – oft gemacht aus einer bunten Material-Mischung wie Glas, Stoffe, gefundene Gegenstände, echte Menschenhaare oder Taubenfäkalien – schließen ein performatives Ausdrucksmoment ein. Der japanische, verlangsamte und raue, oft absurde, körperlich geprägte Experimentaltanz „Butoh“ spielt dabei seit geraumer Zeit eine große Rolle als Inspiration ihrer künstlerischen Praxis.
Lennartsson wird in Japan in verschiedenen Workshops an Butoh-Schulen dieses Tanztheater und dessen Techniken erlernen, um der Auseinandersetzung mit den Ausdrucksmöglichkeiten und Positionen in der Konstellation Betrachter – Objekt – Künstler in Japan durch diesen „Dance of Darkness“ zu erweitern, und dabei eine neue Serie ihren Arbeiten zu erstellen.
Das Projekt sieht vor, die politische Spaltung Vietnams (1954-1975) sowie Deutschlands (1949-1990) und deren Auswirkungen auf die Gegenwart zu untersuchen. Die künstlerische Praxis anhand von früheren Arbeiten Sung Tieus, welche zuletzt die Produktion und den Verkauf eines 'gefälschten' Ipod Shuffle unter ihrem eigenen Firmennamen 'Subnational' einbezog, soll erweitert werden. Als Recherche für das Projekt sind Filmaufnahmen entlang der demilitarisierten Zone um Hue in Zentralvietnam geplant, die auch das Friedensmonument am Ende der Hien-Loung Brücke miteinschließen. Interviews mit diversen Parteien, wie etwa dem in Berlin sitzenden Verein 'Danke Deutschland', der sich für den sozio-kulturellen Austausch mit Vietnam einsetzt, sind geplant. Während der Reise sollen ebenfalls Diskussionen um das Thema der kulturellen Produktion in der gegenwärtig Sozialistischen Republik Vietnams mit unterschiedlichen Institutionen, wie etwa der Hue University of Fine Arts sowie der New Space Arts Foundation in Hue veranstaltet werden.
In den filmischen Arbeiten von Helena Wittmann sind Räume immer mehr als nur bloße Austragungsorte für eine Handlung. In ihnen, mit ihnen und an ihren Grenzen entlang zeigen sich die Fragestellungen und gedanklichen Zusammenhänge, mit denen sich Wittmann auseinandersetzt. In ihren Arbeiten WILDNIS und 21,3°C sind es Wohnräume, die zu sinngebenden Elementen werden. Für ihre neue Arbeit wird sie einen Raum untersuchen, der für Hamburg schon immer von entscheidender Bedeutung war, der die Grundsätze von ‘Reisen’ erfüllt, und der in Opposition zum Land jedoch bis heute der 'andere' Raum geblieben ist: der ‘Raum’ am Meer. Auf einem Segelschiff wird sie für diese Arbeit den Atlantischen Ozean überqueren.
«Komplette Durchmischung nach nur wenig Schritten» Otto Rössler
In South Jersey, ca. drei Stunden via direkter Zugverbindung südwärts von New York City, liegt Atlantic City, eine Stadt, die für Ausflüchte der Großstadtmenschen wie Kuraufenthalte, Glücksspiel und Immobilien am Strand entworfen wurde und auch als Location für „Boardwalk Empire“ bekannt ist.
Das Augenmerk von Daiga Grantina wird auf eine vor Ort erfundene Maschine, den sogenannten „Taffy Puller“, gerichtet sein, die der Herstellung von Salt Water Candy gewidmet ist. Diese befindet sich nach wie vor bei der Firma „James’ Candy“ (gegründet 1880) in Betrieb. Sie dehnt eine zähe Zuckermasse durch das Prinzip von entgegengesetzter, rotierender Bewegung zu mit Meerwasserluft angereichertem Candy. Der umstrittene Biochemiker und Chaostheoretiker Otto Rössler sieht in dieser Maschine den Modus Operandi für chaotische Bewegung visualisiert. Jede mechanisch erzeugte Bewegung der Zuckermasse ist einzig und lässt sich nicht wiederholen, was wissenschaftlich als Mixed-Mode-Oscillations, Self-Similarity und Time-Transient Chaotic Behavior beschrieben wird.
Der Taffy Puller ist analoges Objekt, Metapher und vor allem Methode für ein Materialisieren von Gegenbewegung. In dieser Perspektive sollen von Grantina raum-greifende Plastiken entstehen.
