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Ausstellung / Exhibition
Paul Spengemann Whoa, Hoo-ah, Huh! 2018 HD-Video, 4-Kanal-Sound (Loop) 9:30 Min

Paul Spengemann

Whoa, Hoo-ah Huh!

20 Apr 2018–02 Jun 2018

 

Eröffnung / Opening

20 Apr 2018, 8pm

 

artothek Raum für junge Kunst

Am Hof 50

50667 Köln

 

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Ida Lennartsson
GALERIE KARIN GÜNTHER

IDA LENNARTSSON - OFFAL

GALERIE KARIN GÜNTHER

Die schwedische Künstlerin Ida Lennartsson (*1982), die in Hamburg lebt, erzählt mittels verschiedenster Medien – darunter Bildhauerei, Fotografie und Performance – dunkel und triebhaft ausgestaltete Geschichten. Ihre surrealistischen Tableaus, die organisches Material wie Menschenhaar und Taubenkot mit gefundenen Objekten oder Stoffen vermischen,
ähneln den Stills einer Maskerade und rufen den Eindruck stark animierter skulpturaler Körper hervor.

Um für ihr aktuelles Projekt die Spannung zwischen Stille und Bewegung, zwischen lebendiger und unbelebter Materie zu erforschen, reiste Lennartsson nach Japan. Dort begab sie sich in das avantgardistische Tanztheater Butoh und dessen langsame Choreographien, von dem es heißt, dass es sich jeglicher Fixierung widersetzt. Als Mitglied einer Gruppe von Butoh-Auszubildenden ermöglichten die grotesken, oft halbnackt aufgeführten Tänze ihr eine ganze Reihe intimer Beobachtungen.

Bei der Präsentation dieses privaten Kammerspieles erschafft Lennartsson düstere, trotzdem auch spielerische Szenarien, die sich zum Teil aus der Geschichte ihrer Wohngegend, des früheren Rotlichtviertels von Yokohama, speisen. Ein Weiteres ema, das sich durch die mit Film umgesetzten neuen Arbeiten zieht, ist Krankheit. Lennartssons Immunsystem reagierte schlecht auf die fremden östlichen Keime, weshalb sie in Japan eine längere Zeit isoliert, im Haus und mit Bettruhe verbringen musste. Die ruhigen Innenräume, die blutleeren weißen Masken, überlange Nägel, unzählige halbausgetrunkene Wasserflaschen oder benutzte Taschentücher schreiben sich so in ihre halluzinatorischen Fieberträume ein. In der Arbeit sind Vorstellung und Realität, tatsächlich Gefühltes und künstliche Settings miteinander verschränkt. Der einsame Raum wird zu einer Erweiterung von Körper und Geist: Objekte wirken plötzlich wie Organe oder Innereien – als ob eine meteoritengleiche Psychomaterie zum Leben erwacht ist – während das benutzte Taschentuch wie eine Blume aussieht oder die Plastikhand eine absurde, sinnliche Zärtlichkeit beschwört.

Als Gefangene dieses geschlossenen Settings ist Lennartsson von der Gesellschaft ausgeschlossen. Sie ist eine Andere, vereinsamt in ihrer deliranten, aus Zeichen bestehenden
Unterwelt, ein Zustand, aus dem sie mittels grobem, dokumentarischem Material und fiktiven Inszenierungen präzise Collagen erarbeitet. Auf dem schmalen Grat, der zwischen
selbstausbeuterischer Bloßstellung und atemberaubend traumähnlichen Visuals verläuft, entwirft Lennartsson ein finsteres Märchenland. Der Dialog zwischen dem verrückten
Hutmacher und Alice in Alice im Wunderland fügt sich hier passgenau an: „Bin ich etwa verrückt geworden?“ Und Alice antwortet: „Ich fürchte, ja. [...] Aber soll ich dir ein
Geheimnis verraten? Das macht die Besten aus.“

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Sung Tieu
GALERIE SFEIR-SEMLER

SUNG TIEU - MEMORY DISPUTE

GALERIE SFEIR-SEMLER

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung der deutsch-vietnamesischen Künstlerin Sung Tieu (*1987) stehen die beherrschenden Strukturen des globalen Austauschs, die unseren gegenwärtigen Alltag durchweg bestimmen. Uns überrascht nicht länger, dass die Parfums, die wir tragen, die digitalen Geräte, die wir verwenden oder die Blumen, die wir kaufen, Teil einer transnationalen Industrie sind – das ist alltäglich, doch bleibt es oft unbemerkt. Indem Tieu sich diese Infrastrukturen mittels Durchdringung, Personalisierung und Verwertung in selbstermächtigenden Gesten aneignet, beleuchtet sie solche spezifischen Verstrickungen.

Im aktuellen Projekt erzählt sie eine persönliche Geschichte, die ihren Reisen in ihr Heimatland Vietnam folgt. Ein Land, das einst erbittert entlang seiner Teilung während des Kalten Krieges kämpfte, wurde unter einem sozialistischen Regime wiedervereint. Es machte so die umgekehrte Entwicklung durch wie der Staat, in dem die Künstlerin aufwuchs: Deutschland. Doch heute agieren beide ehemals geteilten Länder unter dem Banner einer kapitalistischen freien Marktwirtschaft, in Vietnam auch bekannt als ‘Đổi Mới.’.

Auf ihren Reisen begegnete Tieu der konsumistischen Verwandlung der eigenen Erscheinung im heutigen Vietnam – und dem weitverbreiteten Gebrauch von Hautpeeling. Eine Säurebehandlung lässt die Haut kurzzeitig ein paar Nuancen heller erscheinen und ist – trotz ihrer offensichtlich schädlichen Wirkungen – eine häufige Schönheitsanwendung in den Städten Vietnams. Neben diesem hypermodernen Phänomen wendete sich Tieu regionalen kulturellen Wurzeln zu. Sie experimentierte mit dem traditionellen Saiteninstrument ‘Đàn Bầu’, und ein längerer Aufenthalt in einem einst mit Napalm-Angriffen überzogenen Regenwald in Zentralvietnam wurde zu einer Schlüsselerfahrung. Wie die Haut lösten sich dort die äußeren Schichten der dichten Wälder durch das Säurebombardement ab, und obwohl diese jetzt nachwachsen, sind die Langzeitfolgen immer noch nicht vorhersehbar. Abgeschieden in diesem Herz der Finsternis, auf der Suche nach ihrem eigenen künstlerischen Material, erkundete Tieu diese stillen Tage filmend und schreibend. Ihr Prozess erinnert dabei an die Worte von Marguerite Duras, der französischen,in Indochina geborenen Autorin: „Die Einsamkeit des Schreibens, das ist die Einsamkeit, ohne die Geschriebenes nicht entsteht,[...]“ Schreiben (1993)

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Helena Wittmann
GALERIE MELIKE BILIR & LEVEL ONE

HELENA WITTMANN - EMPFINDLICHES RAUSCHEN

GALERIE MELIKE BILIR & LEVEL ONE

An der Schnittstelle zwischen experimentellem Film und Bildender Kunst montiert die deutsche Künstlerin Helena Wittmann (*1982) hypnotische Einschreibungen in Bild und Ton, die tief in unser elementares Empfinden von Raum und Zeit vordringen. Aufbauend auf konzeptionellen Strategien entstehen ihre Projekte auf der Grundlage einer beharrlichen Betrachtung spezifischer Räume, die zu den Protagonisten ihrer Arbeiten werden. Der Gegenstand ihres großangelegten, neuen Projekts ist die räumliche Wahrnehmung auf offener See. Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung ist die Hansestadt Hamburg, deren Status als größter deutscher Seehafen für die meisten Bewohner nur ein Gedankenspiel aus der Ferne bleibt.

Mehrere Forschungsreisen auf die Nordseeinsel Sylt ermöglichten eine Annäherung an die räumliche Wahrnehmung des Ozeans. Parallel legten Recherchen, die Wittmann gemeinsam mit der Projektpartnerin und Ethnologin Theresa George durchführte, die kolonialen Spuren frei, auf denen sie sich unweigerlich bewegen würden. Mit seinem Titel Empfindliches Rauschen / Tender Noise bezieht sich das Projekt auf die dichten und vielstimmigen (rauschenden) Schichten von Forschungsmaterial, die ihm zugrunde liegen. Im Zentrum steht jedoch eine sensible Empfindsamkeit auf hoher See, die Wittmann und ihre Projektpartner-innen auf der Reise von Antigua über den Atlantischen Ozean zu den Azoren wie ein erweitertes Logbuch visuell, akustisch (durch die Soundkünstlerin Nika Breithaupt) und schriftlich festgehalten haben.

Das Material, das während der 14-tägigen Reise auf dem Segelschiff Chronos aufgenommen wurde, lässt sich neben den eindringlichen Geräuschen auf der Tonspur in drei Kategorien unterteilen: Die Einstellungen, in denen Theresa schläft und die wie eine Suche nach der psychologischen Traumlandschaft gelesen werden könnten; Die Bilder der Kabine, der Kombüse oder der Gemeinschaftsräume an Bord, die einen soziologischen, zwischen-menschlichen Raum zeigen, in dem die Objekte zu Akteuren werden; und schließlich das Herzstück, die zahlreichen Aufnahmen vom Ozean selbst. Tosende Wellen, ein zartes Blau, das Himmel und Meer – Figur und Grund – miteinander verschmelzen lässt oder die abstrakten Aufnahmen vom Mondlicht, das über die Oberfläche des Meeres glitzert. Letztere stellen einen möglichen Nicht-Ort dar, der nahezu aller Zeitlichkeit beraubt zu sein scheint. Ganz so, als würden das Schwarz und Weiß eine zeitlose Entrücktheit heraufbeschwören.

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Daiga Grantina
Produzentengalerie Hamburg

DAIGA GRANTINA – PILLARS SLIDING OFF COAT-EE

PRODUZENTENGALERIE HAMBURG + KUNSTVEREIN IN HAMBURG

Die lettische Künstlerin Daiga Grantina (*1985), die in Hamburg an der HFBK studierte, arbeitet mit Licht als dichter Materie, indem sie ausschweifende Formen aus durchlässigen und wandelbaren Oberflächen meißelt. Scheinbar in ständiger Metamorphose klettern, kriechen oder schweben die halbtransparenten, organischen Formen in erotisch viszeralen Formationen durch den Ausstellungsraum.

In Bündeln zwischen Boden und Decke gespannt, ist Grantinas aktuelle Reihe von Arbeiten, die Buffs, das Motiv in Nahansicht dieser Publikation. Es handelt sich um Außenskelette oder schalenförmige Körper aus aufgeblähtem Elasthan, die durch eine flüssige Plastikschicht erstarrt sind. Eingearbeitetes industrielles Material und Nippes betonen eine allegorische Lesbarkeit dieser gespannten, üppigen Abgüsse, die physische mit technischen und nach-menschlichen Fähigkeiten verbindet (Kabel als Arterien, Stoff als Haut, Röhren als Atemwege). Bezugnehmend auf klassische Motive aus Skulptur und Malerei, sind Grantinas jüngste Arbeiten in starker methodischer Analogie zu der Herstellung von dem amerikanischen, weichen Toffeebonbon entstanden. Eine klebrige Süßigkeit, die nach den Regeln von flüssig chaotischer Dynamik hergestellt wird. Auf der Suche nach der Mischformel von Salt Water Taffy reiste die Künstlerin zu dem Entstehungsort in die Vereinigten Staaten: Atlantic City. Das essbare Bonbon wird hergestellt, indem eine kristalline Zuckermasse in rotierender Gegenbewegung gezogen wird und somit Luft, durch ein ständiges Schichten von Oberfläche zu Tiefe, eingeschlossen wird. Diese Vereinigung von Materie dient als Inspiration für das künstlerische Verfahren. In einem Mise-en-abyme des Faltens laufen Grantinas Gesten in nicht-linearen Bahnen. Oszillierend und mutierend—so wie die Süßigkeit—scheinen die Werke (sogar nach deren Erschaffung) in ständiger Bewegung.

Im White Cube losgelassen, absorbieren die funkelnden, spröden Materialien ihre umgebende Architektur. Ihre Eingriffe deplatzieren, kolorieren und entkleiden den institutionellen Mantel in einem eindringlichen und einschließenden Antrieb, gleichsam einer keimenden Alge. Das verzierte Tableau der Künstlerin zieht den Blick in eine Folge von Schichten und (Körper-) Öffnungen. Während dieser Strudel von Figur und Grund süss und verführerisch aussieht, ruft er eine Gratwanderung in einem postfaktischen Szenario hervor, wo es weder Himmel noch Hölle, weder Fakt noch Fiktion gibt, sondern ein bodenloses Furnier von Erscheinungen—
ein exzentrischer und unablässiger Wandel unserer Wahrnehmung.

 

KUNSTVEREIN IN HAMBURG

Die Arbeit in der Produzentengalerie ist eine ‚Aperitif’-Arbeit was die
Einzelausstellung der Künstlerin im Kunstverein in Hamburg ankündigt.

Die Ausstellung im Kunstverein eröffnet am 27.01 um 19Uhr.
Sie sind herzlich eingeladen.

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André Mulzer
PRODUZENTENGALERIE HAMBURG

ANDRÉ MULZER - a minha casa é a tua casa / á la dernière sortie avant le précipice, là oú les affres guettent, PART 2, feat. Daisy Parris & Charlotte Livine

PRODUZENTENGALERIE HAMBURG

Indem André Mulzer (*1983) sich zweifelhafte Stereotypen aneignet, wie etwa den Shooting Star, den ,Künstlerprovokateur', den raubeinigen ,Glamrapper’ oder den alkoholisierten ‚Außenseiter’-Poeten, hat er in den letzten Jahren eine ganze Reihe halbfiktionaler performativer Identitäten kreiert – darunter auch den berüchtigten Crack Belly Crystal Death –, die er in Lo Fi-Szenarien präsentiert, die sich aus inszenierten Schriften, live aufgeführter Musik und gesammelten Gegenständen zusammensetzen.

Seine humorvollen, stets leicht missverstandenen und verletzlichen Bühnencharaktere baut Mulzer aus einer Vielzahl persönlicher Beobachtungen zusammen. Diese Figuren und ihre Universen sind nicht solide konstruiert, sondern seinen wechselnden Einfällen unterworfen – Einfällen, die ihn zum nächsten Thema bringen oder zu der nächsten Zusammenarbeit, mit einer Leichtigkeit und Lockerheit, die in der heutigen professionalisierten Kunstwelt oft als unergiebig missverstanden wird. Um sein umherschweifendes, ironisches Spiel mit der
nüchternen Ökonomie, der Zirkulation und dem ,Look‘ der ‚zeitgenössischen Kunst‘ aufrechtzuerhalten, reiste Mulzer für sein aktuelles Projekt, auf der Suche nach dem Klang der südländischen ,Saudade‘, des Weltschmerzes, nach Portugal, genauer gesagt nach Lissabon. Inmitten der dort politisch aufgeladenen Situation – explodierende Immobilienpreise, niedrige Löhne, spekulative Arbeitslosenzahlen – verbinden sich in Mulzers Mélange verschiedener Beobachtungen die widersprüchlichsten Motive. Diese gehen von trägen, gelangweilten
Tagträumereien auf seinem portugiesischen Balkon („Balcony Chaos Club“) über seine zeitgleich stattfindenden ersten Erfahrungen kommerziellen Erfolges plus High Life in Köln und Hamburg und des Wartens in der Sonne auf Freunde-Besuch am Flughafengate bis hin zu kritischen Reflexionen zur Einzäunung, zu den Brüchen und den Rissen der Grenzen Europas.

Alles, was sich in den Widersprüchen von Privileg und Armut findet, wird zu seinem Material. Hier spiegelt sich wiederum Mulzers integrative, trotzdem stets kritische, ,vagabundierende‘ Strategie, die Steine, die ihm auf seinem Weg begegnen, einzubinden, oder auch Kollegen einzuladen, mit ihm zu kollaborieren; wie Charlotte Livine und Daisy Parris, die sich ihm für dieses Projekt anschlossen.

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2016-10-10-10-33-16
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